Vortrag von Prof. Dr. Wilhelm Matejka anlässlich des Zahn ́schen Familientag in St. Gallen vom 03. – 05. 10. 2014

 

Erweckung, Wiedergeburt, Begnadigung, awakening, revival

Der Begriff „Erweckung“ kommt erst im frühen 20. Jahrhundert auf, bis dahin: Pietismus, Spätpietismus.

Erweckungsbewegungen gibt es im 18. und 19. Jahrhundert in a l l e n protestantischen Ländern, zuerst in England: Methodistische Kirche ab den 1740er Jahren.

USA: 1734 – 44 The Great Awakening, später mehrere Erweckungsbewegungen mit charismatischen Predigern auf „camping meetings“ 1800, 1826-30, 1857-58.
Heute spricht man von evangelikalen Christen und fundamentalistischen Gemeinden.

Wurzeln und Vorläufer der Erweckung:

  • Spanische und französische Mystik (Katholiken)

  • Pietismus (Philip Jakob Spener, August Herrmann Francke)

  • Herrnhuter Brüdergemeinde (Nikolaus Rudolf Reichsgraf von Zinzendorf) – Basler Christentumsgesellschaft ab 1780

Die Erweckten (um 1820 ca. 8.000 Personen) sind:

  • Pietisten der Romantik;

  • radikal subjektiv;

  • pflegen Freundschaftskult;

  • produzieren umfängliche Briefliteratur;

  • erwarten Erweckung aus dem Sündenschlaf durch Gnade (extra nos)“;

  • erleben die „Wiedergeburt aus dem Geist“ (Joh. 2, 5);

  • egalitär und elitär zugleich;

  • Reich-Gottes-Arbeit, tätige Liebe: Bibel, Diakonie, Mission, Pädagogik

  • überkonfessionell, alle Menschen sind gleichermaßen Geschöpfe Gottes

  • Lebensstil asketisch: Fasten, s. Kasteien, einfache Kleidung

  • verpönt sind Alkohol, Spielen, Tanzen, Wirtshäuser, Theater, Eisenbahn Fahren zum Vergnügen, Aufputz, Eitelkeit, Singen u. Musizieren (weltlich !)

  • Gegenbewegung: Freude an göttlicher Schöpfung, Natur, Trieben ect., Lebenszugewandtheit

Erweckungstheologie

Religion als Unterwerfung unter Gottes Wort. Theologie der Romantik
Private Konventikel mit Tendenz zum Separatismus Gegner: Rationalismus, Materialismus, Idealismus

Offenbarung = Christentum = voll und ganz vernunftgemäß;
Aufgabe der Vernunft: das Wort Gottes zu vernehmen, die göttliche Autorität und Glaubwürdigkeit der Bibel zu beweisen.
Tholuck: „nur die Höllenfahrt der Selbsterkenntnis ermöglicht die Himmelfahrt der Gotteserkenntnis“.

Bibel: authentische Urkunde göttlicher Offenbarung, irrtumslos, buchstäblich wahr; Verbalinspiration; Ablehnung der historisch-kritischen Methode, stattdessen tägliche Bibellektüre.

Geschichtliche Ereignisse werden religiös (= heilsgeschichtlich) gedeutet: z.B. Reich Gottes, Eschatologie, Tausendjähriges Reich (Off. 20,6).

Sünde, Schuld, Gnade, Rechtfertigung, Erlösung, All-Versöhnung sind zentrale Themen.

„Fromm sein heißt beten“ (Friedrich Schleiermacher)

Jesus: Erlöser von a l l e r Sündenschuld, alleiniger Ver-Mittler („mesites“) der Gnadenfülle Gottes

Jesusnachfolge durch ständig gelebte Beziehung zum Sohn Gottes Christologie, Christusmystik (Wunden, Blut, Stigma)

Rationalistische Theologie

Religion ohne Metaphysik
Theologie der Aufklärung
Offizielle Religion der Landeskirchen
Gegner: Erweckung, Materialismus, Idealismus

Offenbarung entspricht zwar der natürlichen Religion, bedarf aber der Reinigung. Primat der Vernunft: es gilt nur, was vor dem gesunden Menschenverstand besteht.

Bibel: von Menschen verfasst, daher nicht frei von Irrtümern; Forderung nach historisch-kritischer Bibelforschung.

Geschichtliches Verständnis von Bibel, Religion, kirchlicher Lehre und Dogmatik.

Erbsünde und traditionelle Rechtfertigungslehre werden abgelehnt.

Fromm wird ersetzt durch „denkgläubig“.

Jesus ist für seine denkgläubigen Verehrer kein Heiland/Erlöser, sondern ein Lehrregent, von Gott aus Liebe zu den Menschen gesandt.

Jesusnachfolge durch tugendhaftes, sittliches Leben aus freier Entscheidung. Wer sittlich handelt, ist fromm.

Keine christologischen Dogmen, auch keine trinitarischen

geschichtliche Ereignisse, als „erweckliche Beweise“ betrachtet

1789

Französische Revolution;

Speziell der „Große Terror“ gedeutet als verheerende Folge derAufklärung, welche Finsternis in die Welt gebracht habe. (Wo dasReich Gottes nicht ist, hat der Teufel freie Bahn)

1792 – 1809

5 Koalitionskriege verheeren Europa; Hunger, Seuchen , Verwüstung, Plünderung. Ein Zeitalter der Angst: Frage nach Gottes strafenden und rettenden Händen

1803

Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25.2. ändert die deutsche Landkarte radikal, u.a. Auflösung des bisherigen Kirchenwesens; Dieser fundamentale Umbruch macht Konventikel für Gläubige sehr attraktiv.

1806

Desaströse Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht von Jena und Auerstedt; Strafgericht Gottes über König Friedrich Wilhelm III. und das „gottlose“ Preußen.

1813

Befreiungskriege; Große Bewunderung für russische Soldaten, die mit Ikonen in die Schlacht ziehen: „reitende Kirche“. Russland: neue Hoffnung für das Reich Gottes, Bestrebungen dorthin auszuwandern, weil näher am „neuen Jerusalem“.

1813

Völkerschlacht bei Leipzig; wird als „Gottesgericht“ betrachtet.

1815

Schlacht bei Waterloo;
Napoleons Niederlage erscheint abermals als Gottesgericht, wird als „Ende der Satansherrschaft“ begrüßt.

1815

„Heilige Allianz“ zwischen Russland, Preußen und Österreich; Begriff stammt von der „Prophetin“ Juliane von Krüdener (1764 – 1824).

1816/17

Hungerwinter, erlebt als „Strafe Gottes“

1817

Überreiche Ernte im Jahr des 300. Reformationsjubiläums; Bestärkung des Glaubens an die Vorsehung

Zentrale Persönlichkeiten der Erweckung

 

August Herrmann Francke (1663 – 1727)

Erzvater des Pietismus neben Spener. 1687 in Lüneburg bekehrt. 1689 verbietet die Fakultät in Leipzig seine Lehrtätigkeit. 1691 auf Vermittlung von Spener Professor
für Griechisch und Herbräisch in Halle/S., ab 1698 Professor für Theologie. Gründet ab 1695 die F ́schen Stiftungen in Halle/S, erst Armenschule, dann auch Waisenhaus, Buchhandlung, Verlag, Druckerei, Apotheke, Ostindische Missionsgesellschaft.

Gerhard Terstegen (1697 – 1769)

Der Heilige im Protestantismus. Schreibt am Gründonnerstag 1724 mit seinem Blut einen Brief an Jesus: „Befehle, herrsche, regiere in mir!“ Mystik ist für ihn „Ausübung der Gottseligkeit“. Seine Predigten versammeln viele Anhänger, 1740 werden seine Konventikel verboten. Erst im 19.Jh. kommen seine Kirchenlieder ins evangelische Gesangsbuch.

Matthias Claudius (1740 – 1815)

„Wir glauben der Bibel aufs Wort“. Er ist der „Wandsbeker Bote“, seit 1787 mit Sailer in Verbindung, mit v. Kottwitz befreundet.

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740 – 1817)

Gründungsvater der Erweckung, Arzt, Polyhistor, Professor für fast alles, Schriftsteller. Erweckt am 11.7.1762: „Er sah eine lichte Wolke; da durchdrang eine unbekannte Kraft seine Seele, er zitterte am ganzen Leibe und machte einen festen und unwiderruflichen Bund mit Gott.“ 1777 autobiographischer Roman „Henrich Stillings Jugend“ bearbeitet und herausgegeben von J.W. v. Goethe. Besucht 1789 die Herrnhuter Brüdergemeinde in Neuwied: „Eine wichtige Anstalt zur vorbereitenden Gründung des Reiches Gottes.“ Reisen in die Schweiz 1801 und 02: Taufpate von Anna Schlatters Tochter Henriette.

Johann Kaspar Lavater (1741 -1801)

Physiognomiker: die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott spiegelt sich in den Gesichtszügen. „Stückweise sind alle Personen einzelne Seiten des Ebenbildes Gottes, ganz ist es Jesus Christus.“ Deswegen bittet er 1773 Goethe, das Antlitz Jesu Christi zu beschreiben – was Goethe nicht tut. Lernt 1774 Jung-Stilling und Goethe kennen, mit Sailer 20 Jahre befreundet, schätzt die Christologie der Herrnhuter. Seine Tochter Nette: wichtigste Freundin von Anna Schlatter-Bernet.

Sailer-Kreis

Matthias Claudius (1740 -1815)

Deutscher Dichter, Protestant, seit 1787 mit Sailer in Verbindung. „Sogar hasse ich das Kopfzerbrechen an Religionsgeheimnissen; denn ich denke, sie sind eben darum Geheimnisse, dass wir sie nicht wissen sollen – bis es Zeit ist.“

Johann Michael Sailer (1751 – 1832)

Katholischer Priester, Schriftsteller, Pädagoge, Bischof von Regensburg.
1794 seiner Professur für Moral- und Pastoraltheologie enthoben, Vorwurf: Aufklärer, Geheimbündler, falscher Mystiker. 1796 Allgäuer Erweckung: seine Schüler

Feneberg, Boos und Gossner spielen dabei eine wichtige Rolle. Verdacht: Aftermystik. 1800 – 21 Prof. für Moral- und Pastoraltheologie an der bayer. Landesuniversität Landshut, hochangesehener Pädagoge. 1816 distanziert er sich von der schwärmerischen Erweckung im Allgäu,1820 auch förmlich von allen ihm gemachten Vorwürfen. 1829 Bischof von Regensburg. Geistlicher Mentor von Anna Schlatter-Bernet, mehrere Besuche in St.Gallen.

Johann Michael Feneberg (1751- 1812)

Jesuit, seit 1770 mit Sailer befreundet. Seit 1793 Pfarrer in Seeg bei Füssen/Allgäu. Boos, sein Cousin, und Gossner waren zeitweise in seiner Pfarre Kapläne. Muss sich beim Bischof von Augsburg wegen Aftermystizismus verantworten. Widerruft 1797 10 Sätze, die er aber gar nicht gelehrt hatte.

Martin Boos (1762 – 1825)

„Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“. Katholischer Priester, Asket – schläft auf dem Boden, Selbstgeisselung. Durch sterbende Bäuerin zur lutherischen Rechtfertigungslehre bekehrt, sola fide (Röm 3,28) In Seeg lösen seine Predigten eine Erweckungsbewegung aus: „Boos ist ein wahrer Apostel, ein Paulus, und alle Wunder des Glaubens erneuerten sich in seiner Gemeinde.“ 1797 in Augsburg zu Haft im Priestergefängnis verurteilt. 1806 Pfarrer in Gallneukirchen/Diözese Linz,
dort 1810 große Erweckung. 1815 seines Amts enthoben landet er in einem Linzer Klostergefängnis, aus welchem er durch ein Mauseloch Briefe herausschmuggelt u.a. an Anna Schlatter. Darf 1816 auswandern, wird in Bayern erneut und mehrfach des verderblichen Mystizismus beschuldigt. Findet im preußischen Rheinland ab 1817 Anstellung als Lehrer und Pfarrer.

Johannes Evangelista Gossner (1773 – 1858)

Katholischer Priester, seit 1797 mit Sailer bekannt. 1802 trotz Widerrufs zu mehreren Wochen Priestergefängnis in Augsburg verurteilt. Später in Tirol und München: enormer Zulauf zu seinen Predigten. Ab 1820 an der Malteserkirche in St.Petersburg – seine Gottesdienste sind überfüllt. „Hier ist ein großes Volk, das den Herrn sucht.“ Alle Prediger – außer den Herrnhutern – betreiben seinen Sturz, 1824 durch Zar Alexander I. ausgewiesen. 23.7.1826 : Übertritt in die evangelische Kirche in Schlesien, im Schloss eines mit Kottwitz eng befreundeten Adligen.
<Fortsetzung siehe Gossner/Kottwitz-Kreis>

Kottwitz-Kreis

Matthias Claudius (1740 – 1815)

Verfasser des ersten Gedichts deutscher Sprache gegen die Negersklavierei: „Der Schwarze in der Zuckerplantage“ (1773):
Weit von meinem Vaterlande/Muß ich hier verschmachten und vergehen,/Ohne Trost, in Müh ́ und Schande;/Oh die weißen Männer !! Klug und schön!/Und ich hab ́ den Männern ohn ́ Erbarmen/Nichts getan./Du im Himmel! Hilf mir armen/Schwarzen Mann!

Ernst von Kottwitz (1757 – 1843)

Patriarch der Berliner Erweckung, „der fromme Baron“.
Aus schlesischem Uradel, Page am Hof Friedrich II. Als junger Mann Freimaurer, später fasziniert von der Herrnhuter Brüdergemeinde des Reichsgrafen Zinzendorf. Ab 1806 gründet er in Berlin eine Einrichtung der Diakonie und der Mission nach der anderen, immer bestrebt, die erweckliche Ausrichtung nicht durch staatliche Unterstützung/Aufsicht verwässern zu lassen. 1816 springt die bayerische Erweckung (Boos, Gossner) auf den Kottwitz-Kreis über. Clemens von Brentano: „Die dortigen Erweckungen zum lebendigen Christentum sind so rührend. Es zeigen sich eine Menge von Besessenen und Geistersehenden. Es ist das Bild ganz der apostolischen Zeiten.“ Enorme Korrespondenz. Mentor vieler Theologen wie z.B. Adolph und Franz Ludwig Zahn. Strippenzieher bei Berufungen und Pfarrstellenbesetzungen auf Grund seines Zugangs zum preußischen König. Mit Sailer seit ca. 1800 bekannt. Kümmert sich um die Schlatter-Töchter Cleophea und Anna als Erzieherinnen bei Groeben und Stolberg.

Johannes Evangelista Gossner (1773 – 1858)

„Alte Geburt ist alte Geburt. Ein Leben von oben, aus Gott, muss erweckt werden. Die Wiedergeburt tut es allein.“
23.7.1826 Übertritt in die evangelische Kirche in Schlesien.
1829 überträgt ihm Friedrich Wilhelm III. die Pfarrstelle an der Bethlehemskirche in Berlin, die bevorzugte Kirche von Baron Kottwitz. Höchst erfolgreicher Prediger. Er, bzw. seine Pfarrgemeinde, gründen 1833 den Männer-Krankenverein, den Frauen- Krankenverein, 1834 die erste Kleinkinderbewahranstalt, 1837 das Elisabeth- Krankenhaus mit Ausbildung von Pflegerinnen, das erste nichtstaatliche Krankenhaus. Ebenfalls 1837 erste Abordnung von Missionaren nach Australien. 1842 bestätigt Friedrich Wilhelm IV. den „Evangelischen Missionsverein zur Ausbreitung des Christentums unter den Eingeborenen der Heidenländer.“

August Neander (1789 – 1850)

„Das Herz macht den Theologen“. Geboren als David Mendel, nennt er sich nach der Taufe Neumann=Neander. Ab 1813 Lehrer für Kirchengeschichte in Berlin, Schwerpunkt Frömmigkeitsgeschichte. Verfasst Lebensbeschreibungen frommer Christen als Lehrbeispiele gelungener Christusnachfolge. Einer seiner Studenten heißt Franz Ludwig Zahn aus Thalleben/Schwarzburg-Sondershausen: „Der Dorf- Chronist saß auch in den Jahren 1822-25 zu den Füßen dieses theuren Lehrers. Er verdankt ihm viel. Mit dem Baron Kottwitz war er innig befreundet.“

Adolph Zahn (1795 – 1866)

„Wer Christi Geist nicht hat, ist nicht sein.“
Erweckter Pfarrer, Sohn des rationalistischen Pfarrers von Wasserthaleben Gottlieb Zahn (1762 – 1845), verheiratet mit Cleophea Schlatter (1797 – 1860). Als Theologiestudent in Jena 1818 erweckt von dem Sailer-Schüler Gotthilf Heinrich von Schubert (1780 – 1860), geprägt vom Kottwitz-Kreis in Berlin. 1825 fädelt Kottwitz ein, dass er als Pfarrer nach Mützenow/Pommern kommt, wo die radikal erweckte Below ́sche Bewegung in Separatismus abzudriften droht. Dabei scheitert er. 1832 bittet er um seine Versetzung. Später Superintendent in Neustettin.

Franz Ludwig Zahn (1798 -1890)

„Wie hoch stellt und wie tief begründet doch das Wort Gottes die Bildung des Menschen. Wissen und Glauben – nicht gegeneinander, sondern ineinander.“ (1850) Jurist, erweckter Theologe, Pädagoge, Schriftsteller, Gutsherr, verheiratet mit Anna Schlatter (1800 – 1853).
1817 -20 Jurastudium in Jena, dann Aktuarius an einem Patrimonialgericht und Advokat: damit unzufrieden. Angeregt von seinem Bruder Adolph beginnt er 1822 in Berlin Theologie zu studieren, hat dabei „eine Art Hausrecht beim Baron Kottwitz“, der ihn in vielen Briefen seinen „lieben Franziskus“ nennt.
1825 Leiter des Schullehrerseminars in Weißenfels
1827 – 32 Vorstand des Fletcher ́schen Seminars in Dresden. Sein Vorgesetzter ist Graf Dohna, ein Enkel des Reichsgrafen Zinzendorf.
Ab 1832 in Moers als Nachfolger Diesterwegs. Pädagoge im Sinne der Erweckungstheologie.

Friedrich August Gotttreu Tholuck (1799 – 1877)

„Läutet dir laut genug die Grabesglocke deines Gewissens die Erinnerung vergangener Torheiten in das von Kämpfen müde gewordene Herz ?“
Theologe der Erweckung, Gelehrter, Erbauungsschriftsteller, Seelsorger.
Beherrscht schon als 17-Jähriger 19 Sprachen, darunter mehrere orientalische. Kommt mit 18 Jahren nach Berlin, studiert Theologie, ist von Baron Kottwitz und dessen Herrnhuter Frömmigkeit fasziniert. Habilitiert sich mit 21 Jahren über orientalischen Pantheismus (Sufi), mit 23 Jahren Dr.phil. honoris causa der Uni Jena für seine persischen Studien und a.o. Prof. für Altes Testament. Verfasst mit 24 Jahren den autobiografischen Briefroman „Guido und Julius. Die Lehre von der Sünde und vom Versöhner, oder: Die wahre Weihe des Zweiflers“, d i e Programmschrift der Erweckungsbewegung. 1825 bestätigt der preußische König gegen das einhellige Votum der Fakultät seine Berufung an die Universität in Halle/S. Dort wirkt er 51 Jahre mit großer Resonanz bei den Studenten. In der ganzen Stadt als „der Herr Rat“ ein Begriff. Freund und Mentor von F.L.Zahn.